Erklärungsnotstand

Ich befinde mich in Erklaerungsnotstand.
Wie bloss soll ich eine Woche Marokko zusammenfassen??
Unser spontaner zwischendurch-Trip ist einziger, durchgehender Flash…
Ich koennte mit unserer ersten Campingnacht im Garten der Moschee
einer Lehmsiedlung beginnen: wie wir als “erste Touristen”
auf diesem Flecken Erde mit wahrscheinlich saemtlichen Maennern
des Dorfes vor unserem Zelt kifften und Tee tranken.
Ich koennte von der zweiten Campnacht erzaehlen, in einem Olivenhain
mit Ehrfurcht-gebietendem Blick auf das Ziel unseres Trips:
den 4167m hohen Jebel Toubkal.
Stolz wuerde ich davon berichten, dass wir 48 Stunden nach Landung
bereits bis Marrakech gefraest waren, dass nach 72 Stunden das Ziel
unserer Radreise erreicht war.
Ausfuehrlichst muesste ich von der dramatischen Bezwingung
des hoechsten Gipfels Nordafrikas berichten – der irren Durchfuehrung
einer irren Idee: statt in 2 Tagen, in einem Tag auf den Gipfel!
2500 hm Aufstieg auf einmal,
Sonnenuntergang auf dem Gipfel,
Abstieg im Dunkeln,
der fertigste Rene ever.
Danach wuerd ich von unserem Camp-Versuch in einer
weiteren Lehmsiedlung erzaehlen: 5, 6, 7, 10, 15,… am Ende
ueber 20 Kinder scharen sich um uns, flippen vor freudiger Aufregung
fast aus. Weil…???
Einmal mehr gibts mehrmals Tee und Fladenbrot – so wie erste Touristen
nunmal bedient gehoeren. Allein der Haeuptling der Siedlung
war nicht so freundlich:
Veraergert stamperte er uns von der Aussenmauer seines Lehmbaus weg –
in sein Wohnzimmer!!
Der Superlativ von “gastfreundlich” muss “Marokko” heissen.
Fuer einen Vertreter Europas, wo Fremde v.a. Angst um den eigenen
Wohlstand ausloesen, sehr beschaemend.
Hier werden Fremde besser gebettet als man selbst liegt.

Erzaehlen wuerd ich auch von den Schoenheiten einer Radreise an sich,
den zujubelnden Menschen, von gleichermassen windigen wie spassigen
Haendlern. Und von den Goettern, welche uns lieben muessen.

Und dann waer es passiert:
ich haett vergessen, den maechtigsten Eindruck ueberhaupt zu beschreiben:
eine Pyramide, so weit wie der Horizont:
Der Schatten des Jebel Toubkal bei Sonnenuntergang.

Liebe Gruesse aus Marokko, Rene